Brotlose Künste ! ?

Eigentlich weiß ich nicht genau, wie ich diesen Beitrag am Besten aufbauen soll und dass, obwohl er mir schon eine ganze Weile im Kopf herum schwirrt. Wenn ich erzähle, dass ich fotografiere, kommt immer gleich die Frage nach dem Warum und als nächstes der Satz: Das ist doch eine „brotlose Kunst“. Mit der selben Frage sehen sich Schriftsteller und Musiker auch regelmäßig konfrontiert. Aber woher kommt dieses Denken?

Ist die heutige Gesellschaft einzig und allein von Leistung, Geld und uneingeschränkter Aufopferung geprägt? Bei allem wird als erstes gefragt, „Was kann ich damit verdienen?“, „Wieviel kann ich damit einsparen?“ oder „Was bringt mir das?“. Wachstum um jeden Preis. Und „brotlose Künste“ wie das Schreiben, die Musik oder in meinem Fall besonders die Fotografie erhalten dabei keine Bedeutung. Denn schließlich wird hierbei nichts von Wert produziert.

 

Wenn man die nüchternen Fakten betrachtet, kann man auch schnell diesen Eindruck bekommen. Ein Buch bei Amazon bekommt man schon für 0,99 €, genau so wie ein Lied bei iTunes und ein Foto ist sogar noch günstiger. In Drogerien gibt es Abzüge für 0,19 €. Also kaum der Rede wert.

 

Also doch brotlos? In meinen Augen ganz klar NEIN! Aber wenn es nicht das Produkt an sich ist, das wertvoll ist, was dann? Es ist das, was ein Buch, ein Lied oder ein Foto bewirken kann. In der Vergangenheit war mein Antrieb für neue Entscheidungen, für innovative Ideen oder den Beginn für ein Abenteuer, welcher Art auch immer, niemals ein Chef im Nacken, der zu mehr Leistung aufgefordert hat. Es war ein Buch oder ein Film, ein Liedtext oder ein Bild, die mich ermutigt haben, schwierige Entscheidungen zu treffen, ein Risiko einzugehen oder etwas scheinbar Unmögliches zu versuchen. Ich hatte dann immer das Gefühl jemand vor mir hat solch eine Entscheidung schon früher erfolgreich getroffen. Vielleicht wäre wir nie zum Mond geflogen, ohne Jules Vernes Romane „Von der Erde zum Mond“ und „Reise um den Mond“, besäßen keine Flugzeuge, wenn die Gebrüder Wright kein Bild von einem fliegenden Vogel gesehen hätten oder würden uns einfach nur dauernd schlecht fühlen, wenn es keine Musik gäbe, die uns aufmuntert.

 

Aus diesem Grund trage ich auch immer ein kleines Buch mit mir herum, in dem ich Zitate festhalte oder Fotos einklebe, die mich bewegen, ermutigen oder einfach nur zum lachen bringen. Deswegen halte ich die Bezeichnung „brotlose Künste“ für falsch. Diese Künste erinnern uns daran, dass es noch etwas anderes dort draußen gibt. Warum sonst hat man Fotos von geliebten Dingen oder Personen oder die Lieblingsmusik auf dem Handy dabei?

 

Deshalb zum Schluss auch noch ein Zitat, dass mich immer wieder neu motiviert

 

„Den einen Weg kennen wir, den Anderen nicht. Es liegt alleine an uns, welchen wir gehen.“

 

In diesem Sinne.

 

Kommentar schreiben

Kommentare: 1
  • #1

    Heinrich (Donnerstag, 18 September 2014 14:03)

    Hallo Jan Hendrik, mir gefällt Dein Mut für Neues und Deine Fotos. Schöne Bilder sind es.
    Brotlose Kunst? Es ist schwer, auch heute von seiner Kunst zu leben. Das war schon früher so. Wie viele Künstler sind arm gestorben, und ihre Arbeiten waren nach ihrem Tod begehrte Stücke, die für viel Geld den Besitzer wechselten und noch wechseln? Aber sollte man deshalb aufgeben? Nein! Natürlich nicht!
    Brotlose Kunst? Du fotografierst bunt und zeigst viele schöne Menschen und Gegenstände. Schöne Dinge können alle Menschen sehen, auch Arme. ABER: wer sieht arme Menschen? Wer sieht sie, die Alten und Einsamen, die Kranken, die Kinder, deren Eltern arbeitslos sind und ihnen keine sorgenfreie Kindheit schenken können? Wer sieht sie, die Jugendlichen, die abhängen, die Obdachlosen, die Abhängigen, die Hungrigen? Wer sieht die dunklen Häuserecken, graue Gassen und Plätze, wo die Welt stehen zu bleiben scheint?
    Manche Menschen wollen solche Fotos vielleicht nicht sehen, aber gehören sie nicht auch zu unserer Gesellschaft?
    Vielleicht kannst Du damit nicht sofort Geld verdienen, aber ist es das nicht wert, es auszuprobieren, auch den Mut zu haben, der Menschheit zu zeigen, was es außer Schönem, Glitzer und Glamour, roten Teppichen und Oberflächlichkeiten an Wahrem auf der Welt gibt? Hinter die Fassaden schauen, die grauen und dunklen Ecken einer Stadt, eines Landes, anderer Länder zu erkunden, die Falten in Gesichtern zu entdecken, die Sorgen, den Hunger, die Not? Das Leid auf der Welt wird nicht kleiner, wenn man es nicht zeigt! Und im Kleinen kann jeder anfangen. Wie sagt es der gute alte Zille: "Wenn wir helfen können, müssen wir es auch tun, sonst sind wir nicht wert, daß uns ein Sonnenstrahl bescheint". Möglicherweise ein Ansporn, eine Herausforderung für Dich? Probiere es doch mal aus? Du wirst sehen, es wird etwas Besonderes sein! Gruß Heinrich